Warum ich mir die Begeisterung für neue Technik nicht nehmen lasse
Sandra Grätsch. Es gibt einen Satz, der mich schon mein ganzes Leben begleitet: „Das braucht doch niemand.“
Diesen Satz habe ich gehört, als die ersten Computer in die Haushalte einzogen. Ich habe ihn gehört, als das Internet aufkam. Ich habe ihn gehört, als Onlinezeitungen entstanden, als Digitalkameras die Filmrolle ablösten, als HD- und später 4K-Videos auf den Markt kamen. Und ich höre ihn heute wieder, wenn es um Künstliche Intelligenz geht.
Vielleicht bin ich deshalb gelassen geworden. Denn fast jede technische Entwicklung wurde zunächst belächelt, kritisiert oder sogar bekämpft.
Ich erinnere mich noch gut daran, wie ich meinen ersten Computer hatte. Viele Menschen waren überzeugt, dass solche Geräte Arbeitsplätze vernichten würden und für den normalen Alltag völlig überflüssig seien. Später gründete ich die erste Onlinezeitung in Schweinfurt. Auch damals waren die Reaktionen eindeutig: Das habe keine Zukunft, niemand werde Nachrichten am Bildschirm lesen wollen.
Schon als Jugendliche war ich fasziniert von Technik. Mit 14 Jahren drehte ich meine ersten 8-mm-Filme. Später kamen moderne Videokameras hinzu, dann HD und schließlich 4K. Bei jedem Entwicklungsschritt gab es Menschen, die erklärten, warum das alles unnötig sei.
Trotzdem haben sich viele dieser Technologien durchgesetzt. Nicht, weil alle sofort begeistert waren, sondern weil einige Menschen bereit waren, Neues auszuprobieren.
Heute erleben wir mit Künstlicher Intelligenz erneut einen solchen Umbruch. Natürlich wirft diese Entwicklung Fragen auf. Wie wird sie unsere Arbeit verändern? Wo liegen Chancen, wo Risiken? Welche Regeln brauchen wir? Darüber muss diskutiert werden.
Was mich jedoch überrascht, ist die grundsätzliche Ablehnung, die man in Deutschland oft erlebt. Häufig wird zuerst erklärt, warum etwas nicht funktionieren kann, statt zu überlegen, welche Möglichkeiten darin stecken.
Ich sehe KI nicht als Ersatz für Kreativität, Erfahrung oder menschliches Denken. Für mich ist sie ein Werkzeug. Nicht mehr und nicht weniger. Ein Werkzeug, das neue Möglichkeiten eröffnet und das man kennenlernen sollte, bevor man darüber urteilt.
Wer die Geschichte betrachtet, erkennt ein Muster: Fortschritt entsteht selten durch diejenigen, die vor allem die Gründe suchen, warum etwas nicht funktionieren wird. Fortschritt entsteht durch Menschen, die neugierig bleiben, experimentieren und bereit sind, neue Wege zu gehen.
Ich habe in meinem Leben viele Dinge ausprobiert. Nicht alle waren erfolgreich. Manche Ideen haben funktioniert, andere nicht. Aber jede neue Erfahrung hat mich weitergebracht.
Deshalb werde ich mir meine Begeisterung für technische Entwicklungen auch künftig nicht nehmen lassen. Nicht weil jede Neuerung automatisch gut ist, sondern weil Neugier für mich immer ein wichtiger Motor war.
Die Welt wurde noch nie von denjenigen verändert, die nur zurückgeschaut haben. Sie wurde von Menschen verändert, die den Mut hatten, nach vorn zu blicken.
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